Elektrostimulation zu Hause (TENS und EMS): Nutzen und Vorsicht
Geräte zur Elektrostimulation sind für den Heimgebrauch sehr beliebt geworden. Wir erklären den Unterschied zwischen TENS und EMS, wofür sie nützlich sein können und wann man sie nicht anwenden sollte.
Geräte zur Elektrostimulation haben den Weg von der Physiotherapiepraxis in viele Wohnzimmer gefunden. Sie sind klein, einfach zu bedienen und werden mit ganz unterschiedlichen Versprechen verkauft: Schmerzlinderung, Entspannung des Rückens oder Muskelstraffung. Doch sie dienen nicht alle demselben Zweck, und die richtige Anwendung erfordert einige grundlegende Vorsichtsmaßnahmen.
Was Elektrostimulation ist
Bei der Elektrostimulation werden über auf der Haut angebrachte Elektroden kleine elektrische Impulse abgegeben. Je nach Eigenschaften dieser Impulse sollen entweder sensible Nerven stimuliert oder eine Muskelkontraktion ausgelöst werden.
Beim Heimgebrauch geht es vor allem um zwei Typen:
- TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation): auf Schmerzlinderung ausgerichtet.
- EMS (elektrische Muskelstimulation): soll Muskelkontraktionen auslösen.
Viele Geräte kombinieren beide Modi, dazu Massageprogramme.
TENS: Elektrostimulation gegen Schmerzen
TENS erzeugt in dem behandelten Bereich ein Kribbeln. Eine der am meisten akzeptierten Erklärungen ist, dass diese Stimulation die Übertragung von Schmerzsignalen zum Gehirn stört. Es wurde auch vorgeschlagen, dass sie die Freisetzung körpereigener schmerzlindernder Substanzen fördern könnte.
Es wird oft ergänzend bei Muskelbeschwerden, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Regelschmerzen eingesetzt. Die wissenschaftliche Evidenz ist uneinheitlich: Manche Studien deuten auf eine Linderung bei bestimmten Schmerzarten hin, während andere keinen klaren Unterschied finden. Für sich hat es den Vorteil, dass es richtig angewendet meist eine sichere, medikamentenfreie Methode ist.
Wichtig zu verstehen ist, dass TENS das Schmerzempfinden lindert, aber nicht die Ursache behandelt. Ein Schmerz unbekannter Herkunft sollte zunächst von einer Fachperson abgeklärt werden.
EMS: Muskelelektrostimulation
EMS löst Muskelkontraktionen aus, die willkürlichen ähneln. Im klinischen Bereich wird sie in der Rehabilitation eingesetzt, zum Beispiel um Muskelabbau nach einer Verletzung oder Ruhigstellung zu vermeiden.
Zu Hause ist ihre Rolle begrenzter. Einige Dinge sollten klar sein:
- Sie ersetzt kein Training. Sie kann eine Ergänzung sein, bietet aber nicht die kardiovaskulären Vorteile oder die Koordination, die echte Bewegung bringt.
- Sie beseitigt kein lokalisiertes Fett. Die Kontraktion des Bauchmuskels lässt das darüberliegende Fett nicht verschwinden.
- Entspannungs- oder Massageprogramme können nach Anstrengung angenehm sein, wie jede andere Art von Massage.
Wie man ein Elektrostimulationsgerät benutzt
Vor dem Start
- Lesen Sie die gesamte Anleitung. Jedes Gerät hat eigene Programme, Zeiten und Hinweise.
- Prüfen Sie, ob das Gerät die CE-Kennzeichnung trägt und, wenn es zur Schmerzlinderung angeboten wird, ob es den Vorschriften für Medizinprodukte entspricht.
- Überprüfen Sie, ob Kabel und Elektroden in gutem Zustand sind.
Platzierung der Elektroden
- Platzieren Sie die Elektroden auf sauberer, trockener Haut, ohne Creme oder Öl.
- Legen Sie sie nicht auf Wunden, frische Narben, gereizte Haut, Muttermale oder Ekzembereiche.
- Schalten Sie das Gerät erst nach dem Anlegen der Elektroden ein und vor dem Entfernen wieder aus.
- Elektroden sind für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Bewahren Sie sie mit ihrer Schutzfolie auf, damit die Klebefläche erhalten bleibt, und ersetzen Sie sie, wenn sie nicht mehr gut haften.
Intensität und Dauer
Beginnen Sie immer mit der niedrigsten Intensität und steigern Sie allmählich. Bedenken Sie, dass sich die Empfindlichkeit von Tag zu Tag und je nach Körperregion ändert, gehen Sie also nicht davon aus, dass die Stufe der letzten Sitzung diesmal passend ist. Wenn Sie sich nach ein paar Minuten an das Kribbeln gewöhnt haben, können Sie eine Stufe höher gehen, jedoch nie bis zum Unbehagen. Das Gefühl sollte ein angenehmes Kribbeln oder eine angenehme Kontraktion sein, niemals Schmerz. Halten Sie sich an die vom Hersteller angegebene Sitzungsdauer und lassen Sie den Bereich zwischen den Sitzungen ruhen.
Kontraindikationen: wann nicht anwenden
Elektrostimulation ist nicht für jeden geeignet. Sie sollten sie nicht anwenden, außer auf ausdrückliche ärztliche Anweisung, wenn:
- Sie einen Herzschrittmacher, einen implantierten Defibrillator oder ein anderes elektronisches Gerät im Körper tragen.
- Sie eine Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen haben.
- Sie an Epilepsie leiden.
- Sie schwanger sind, besonders im Bereich von Bauch, unterem Rücken und Becken.
- Sie eine Venenthrombose haben oder vermuten.
- Sie an Krebs erkrankt sind oder sich in Behandlung befinden, besonders im betroffenen Bereich.
- Eine Infektion, eine akute Entzündung oder eine Wunde im Bereich vorliegt.
- Die Hautempfindlichkeit im Anwendungsbereich verändert ist.
Zudem gibt es Bereiche, an denen Elektroden niemals angebracht werden dürfen:
- Die Vorder- und Seitenpartie des Halses.
- Kopf, Gesicht und Augen.
- Der Brustkorb so, dass der Strom den Thorax durchquert, etwa mit einer Elektrode vorn und einer hinten.
- Die Genitalien.
Weitere Vorsichtsmaßnahmen mit gesundem Menschenverstand
Über die Kontraindikationen hinaus sollten Sie bei jeder Anwendung des Geräts einige praktische Regeln beachten:
- Verwenden Sie es nicht beim Autofahren, beim Bedienen von Maschinen oder im Schlaf.
- Verwenden Sie es nicht unter der Dusche, in der Badewanne oder in sehr feuchter Umgebung.
- Halten Sie es von Kindern fern.
- Brechen Sie die Sitzung ab, wenn Sie Schmerz, Schwindel, Herzklopfen oder Hautreizungen bemerken.
Wann vorher Rücksprache halten
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, bevor Sie Elektrostimulation anwenden, wenn Sie anhaltende oder unklare Schmerzen haben, sich von einer Verletzung oder Operation erholen, eine chronische Erkrankung haben oder Medikamente einnehmen, die die Empfindlichkeit verändern. Eine Fachperson kann Ihnen sagen, ob sie für Sie geeignet ist, welches Programm zu verwenden ist und wo die Elektroden platziert werden sollten.
Ein nützliches Hilfsmittel bei richtiger Anwendung
Richtig angewendet kann Elektrostimulation eine praktische Ergänzung sein, um die Muskulatur zu entspannen oder punktuelle Beschwerden zu lindern. Entscheidend sind realistische Erwartungen, das Beachten der Kontraindikationen und der Verzicht darauf, damit einen Schmerz zu überdecken, der eine Diagnose benötigt.
In unserer Kategorie Massage finden Sie Geräte für den Heimgebrauch. Prüfen Sie vor der Auswahl die Anwendungshinweise, und wenden Sie sich bei Unsicherheit über Ihren Fall an Ihren Arzt oder Physiotherapeuten.


